Andrzej P.: „Nachts gehört die Straße mir“

Nur ein dunkelblauer Textilhandschuh, kaum auszumachen unter der schweren Arbeitsjacke, weist darauf hin, dass Andrzej P. vor Jahren seinen linken Unterarm verloren hat. Es war ein Unglück, mehr ist dazu nicht zu sagen. Denn anmerken kann man Andrzej P. sein Handicap nicht. In nichts steht er den 14 Fahrerinnen und Fahrern im Münchner pfenning logistics Team von Betriebsstellenleiter Frank W. nach, weder auf der Strecke noch beim Be- oder Entladen seines 40-Tonners.

Andrzej P. rangiert ohne Rempler. Er bugsiert die Palette mit der Ware eines pfenning logistics Großkunden zielsicher an ihren Platz. Beschädigt worden oder umgefallen ist bei ihm noch nie etwas. „Rund zehn bis 12 Kilometer legen unsere Fahrer beim Be- und Entladen mit der Ameise pro Tag im Lager zurück“, hat Frank W. ausgerechnet. Insgesamt rund 900 Paletten am Tag werden von pfenning logistics von München bis Garmisch in der Filialdistribution für einen bekannten Discounter bewegt, Molkereiprodukte, Frischfleisch, Tiefkühlkost.

Da in Doppelschicht gefahren wird, konnte sich Andrzej P. die Nachtschicht aussuchen; sie entspricht seinem Rhythmus. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil sein Teamkollege Robert sich mit ihm abgestimmt hat und nur in der Frühschicht unterwegs ist. So ist Andrzej P. nachts auf der Straße sein eigener Herr und kann morgens zuhause mit seiner Frau Anja zusammen frühstücken. Beruflich konnte sich Andrzej P., der aus Legionovo stammt und seit 31 Jahren in Deutschland zuhause ist, nichts anderes vorstellen: „Fahren, fahren, fahren, das ist mein Leben“, sagt er mit leuchtenden Augen.

Von dem Geld, das er damit verdient, hat er sich neben einer Wohnung in München ein Haus in Warschau gekauft. Alle drei Monate fährt er die 1000 Kilometer in seine alte Heimat – ausnahmsweise mit seinem Audi A6.